Gedankenverloren

Gedankenverloren sitz sie auf einer Bank. Es ist spät nachts und es regnet. Wieder gehen ihr so viele Gedanken im Kopf herum. Sie wollen nicht still sein, sie beherrschen sie. Immer wieder tauchen sie auf und überfallen sie. Nun sitzt sie also wieder einmal hier auf dieser Bank. Sie kennt sie gut, war schon sehr oft hier. In ihrer linken Hand hat sie ihren kleinen Begleiter, schon seit fast 3 Jahren. Sie hält ihn sicher und fest. Voller Hass blickt sie darauf und fragt sich, wie lange sie ihn noch brauchen wird. Ein paar Monate, ein paar Jahre oder für immer? Es ging doch auch schon mal ein gutes Jahr ohne ihn. Doch die Zeiten haben sich wieder geändert. Leider! Wieder sitzt sie da, ihr laufen Tränen über die Wangen und sie merkt wie der Druck immer größer wird. Sie will es tun, dann geht es ihr doch wieder besser! Denkt sie. Oder ist das alles nur Einbildung? Geht es ihr dann nicht besser? Ist nicht der ganze Druck und Hass weg? Ist sie dann wieder das Mädchen, das sie vor so vielen Jahren gewesen ist?

Die Zeit vergeht, das Verlangen wächst, genauso wie der Hass auf sich selber und die vielen Leute, die sie im Stich gelassen haben. Wieso mussten sie sie einfach verlassen? Warum sind sie gegangen, einfach so, ohne ein Wort des Abschiedes? Haben sie einfach im Stich gelassen und sich davon geschlichen. Lassen sie alleine einfach verbluten. Sie denkt an eine Liedzeile aus ihrem Lieblingslied ...“And If I bleed, i bleed, knowing you don’t care...“. Ist es nicht so? An sie denkt doch eh kein Mensch, sie ist doch allen egal.
Schließlich packt sie ihren Begleiter aus und setzt sie an. Sie schließt die Augen und denkt sie würde fliegen. Weit weg fliegen. Sie schneidet tiefer, immer tiefer, spürt keinen Schmerz. Will nur das Blut fließen sehen. Sie will es wieder spüren. Sie will sich endlich wieder spüren. Sie spürt etwas warmes, spürt es fließen. Und sie spürt eine Wärme, Zufriedenheit, Gelöstheit. Endlich weicht all der Druck aus ihr. Endlich geht es ihr gut! Zufrieden sieht sie die frischen, blutenden Schnitte und hat ein kleines Lächeln auf den Lippen, ist in ihre Welt eingetaucht...

Exakt für 5 Minuten hält dieses Gefühl an. Dann kommen das schlechte Gewissen und der Hass auf sich selber, nicht einmal standfest zu sein. Der Hass, das sie es wieder einmal getan hat. Das schlechte Gewissen, da sie es doch Menschen versprochen hatte, aufzuhören, es nicht mehr zu tun. Doch wieder hat sie ihre Versprechen gebrochen und das macht sie noch wütender. Nichts macht sie eben richtig!

Noch lange sitzt sie in dieser regnerischen Nacht auf dieser Bank und weint. Weint und hofft, dass alles bald vorbei sein wird! Das sie bald frei sein wird! Für immer!

~September 2006~
©kleines.engelschen

10.9.07 21:35

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